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Pascal Schumachers neues Album LUNA steht im kompletten Gegensatz zu seinem vorherigen Release SOL. Und dabei ist es nicht nur das Spiel mit den gegensätzlichen Albumtiteln, das bereits auf die verschiedenen Stimmungen von Helligkeit und Finsternis hinweist. Beide Veröffentlichungen entstammen ebenso unterschiedlichen kreativen Standpunkten. Während SOL etwas von einer spontanen Entdeckung in sich trug, als Schumacher nach Jahren des Spielens mit Bands und Ensembles zu seinem ersten Solo-Bestreben mit dem Vibraphon aufbrach, fängt LUNA eine eher kontemplative Seite von Schumachers Schaffen ein, die wieder mehr das Komponieren für andere MusikerInnen beinhaltet. Konkret für das belgische Post-Klassik-Ensemble Echo Collective, das dem Album seine zahlreichen Ebenen und Texturen verleiht. Trotz der Gegensätze werden SOL und LUNA nicht zu Widersachern, ganz im Gegenteil, ihre Dualität fühlt sich vollkommen ergänzend an, der Ausdruck einer natürlichen musikalischen Entwicklung, so wie der Tag sanft in die Nacht hineingleitet. Obwohl die Arbeit mit Streichern für Schumacher grundsätzlich nichts Neues ist, weil er in der Vergangenheit für Orchester und Ensembles jeglicher Art komponiert hat, fühlte sich die Zusammenarbeit mit Echo Collective für LUNA doch einzigartig und besonders an. Das belgische Ensemble hat sich einen internationalen Ruf in der post-klassischen Welt erarbeitet: ausgesucht von Ikonen wie A Winged Victory for the Sullen und dem späten Jóhann Jóhannsson wegen seiner instrumentalen Expertise und Erfahrung in Sachen Arrangements, ist das Kollektiv zudem dafür bekannt, seine interpretative Intuition auch Genres wie Rock, Synth-Pop oder Blackmetal zu verleihen.

„Ich habe in der Vergangenheit immer wieder mit klassischen Streichern gearbeitet, denen man komplette Partituren mit allen technischen Details zum Stück liefern muss. Die Musiker von Echo Collective hingegen wussten ganz intuitiv was zu tun war“, sagt Schumacher. Die Synergien zwischen den MusikerInnen sind auf LUNA durchweg spürbar, indem Echo Collective sowas wie ein Bett oder eine Leinwand ausbreiten, worauf Pascal Schumacher mit seinem Vibraphon malt. Obwohl es ein wesentlicher Bestandteil des Albums ist, fühlt sich Pascal Schumachers Vibraphon auf Luna nicht wie der Protagonist an, sondern steht zusammen mit Glockenspiel, Crotales, einer Marimba, Synthesizern und natürlich den melancholischen Streich-Segmenten Echo Collectives im Rampenlicht. Der Balanceakt zwischen den musikalischen Elementen wird besonders im Titeltrack Luna deutlich: über einem Streicherbett aus Crescendi und Decrescendi punktiert Schumachers Instrument das Stück nur und scheint leere Stellen mit funkelnden Lichtern zu füllen. Wie es oft auf LUNA der Fall ist, bildet das Stück eine ruhige, gedämpfte meditative Reise mit einem Hauch Nostalgie. Anders als bei SOLs improvisierter Vitalität ist LUNAs Klangwelt etwas abwägender, langsamer vielleicht und insgesamt gedämpfter. Die Musik ist reflektierender und fühlt sich dadurch reifer an. „Ich habe auf LUNA weichere Schlägel als sonst benutzt. Es war nicht absichtlich, aber am Ende hat mich dieser weichere Klang inspiriert. Dadurch klang das Vibraphon wärmer und reifer“, erklärt Schumacher. Die Single Nostalgia bildet das einzige Solo-Vibraphon-Stück auf dem Album und illustriert Schumachers Aufmerksamkeit für akustische Details. „Ich habe „Nostalgia“ an einem Abend komponiert, als meine Frau ausgegangen war – ich habe das Vibraphon aus dem Studio nach oben geholt und angefangen, mit den Klängen in verschiedenen Räumen des Hauses zu experimentieren. Erst am Fenster, dann in der Küche“, erklärt der Komponist. Die Geschmeidigkeit des Vibraphons lässt dieses Details durchscheinen, vom Mini-Nachhall, der nach jedem Ton hörbar ist, bis zum Echo der Umgebung zieht es die ZuhörerInnen hautnah an Schumacher heran in einer Art intimen, spätabendlichen Begegnung. LUNAs nächtliches Gefühl wird größtenteils durch Ruhe und Zärtlichkeit vermittelt, aber nicht jede Schwingung der spätabendlichen Stunden ist tatsächlich ruhig und gelassen. Rhythmicon ist das Stück, welches mit dieser ganz anderen nächtlichen Energie spielt und mit zunehmender Geschwindigkeit und Intensität aufblüht. Inspiriert durch Leon Theremins innovatives elektromechanisches Instrument aus den 1930ern, bildet Rhythmicon einen energischen perkussiven Track, der multiple und simultane rhythmische Muster einbezieht.

Mein Haupt-Synthesizer, der Critter & Guitari Organelle hat eine moderne Version des Rhythmicons drauf. Als ich die Marimba benutzt habe und viele Schichten gebastelt habe, wurde es so eine Art Stammestanz. Es geht allein um die Rhythmen, mehr eigentlich nicht“, merkt Schumacher an. Der Track beinhaltet außerdem die eine oder andere Anspielung an Steve Reichs minimalistisches Stück Music für 18 Musicians, indem wechselnde thematische Vibraphon-Einwürfe die Richtung Angeben und so die nächste Phase des Stückes einleiten. Das Stück drückt ein Gefühl aus, das auf das ganze Album zutrifft: das magische Gefühl, mitten im dunklen Kosmos in guter Gesellschaft zu sein. Vielleicht rührt es von der Seelenverwandtschaft her, die Schumacher in Echo Collective gefunden hat oder es ist einfach eine Bekanntschaft mit seiner eigenen dunkleren Seite. Wie es auch sein mag, LUNA ist ein strahlender Freund in der einsamen Nacht. Wenn SOL an einem Ort der Einsamkeit gestartet ist, bildet LUNA den Reminder an unseren ewigen Satelliten.

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